Unfallforschung – so passieren schwere LKW Unfälle

Wie hoch ist die Gefahr, die von Lastwagen ausgeht? Letztes Jahr sind bei Unfällen an Stauenden über 40 Lkw-Fahrer tödlich verunglückt. Außerdem gibt es in Innenstädten immer mehr Rechtsabbiegeunfälle mit Fahrradfahrern.

Kann man als Arbeitgeber seinen Mitarbeitern überhaupt etwas mit auf den Weg geben, um sich und andere Verkehrsteilnehmer zu schützen? Als Erstes ist natürlich ein vollausgestattetes Fahrzeug mit allen Sicherheitshilfen wie einen Abbiegeassistenten und einem Notbremsassistenten (NBA) etc. Auf EU-Ebene gibt es ab 2022 einen verpflichtenden Einbau in Neufahrzeuge und auch die Zahl der bereits verbauten freiwillig nachrüstbaren Abbiegeassistenten steigt. Doch besonders der Notbremsassistent bietet in manchen Fällen nur eine trügerische Sicherheit und immer häufiger kommt es auch zu schweren Unfällen am Stauende mit Lkw, die einen NBA verbaut haben. Das liegt unter anderen daran, dass viele Fahrer aus purem Reflex ein Ausweichmanöver starten und so das Fahrzeug übersteuern. Daher ist es notwendig Lkw-Fahrer auf die moderne Technik der NBA zu schulen. In anderen Fällen kann es wiederum an zu geringem Abstand liegen, denn auch der beste NBA hat keine „Zeit“ mehr, um nach der Warnphase von mindestens 1,4 Sekunden einen Unfall zu verhindern.

Ein weiterer Grund stellt das Fahren im monotonen Kolonnenverkehr dar. Über mehrere Stunden passiert so gut wie nichts und dann muss in einer Gefahrensituation trotzdem plötzlich schnell und fehlerfrei reagiert werden – schließlich kann es um Leben und Tod gehen. Es ist jedoch wissenschaftlich erwiesen, dass unter solchen Bedingungen, wie dem mehrstündigen monotonen geradeaus Fahrens, die Aufmerksamkeit bereits nach 15 Minuten nachlässt und so, aufgrund von Müdigkeit oder Ablenkung keine 100%ige Verkehrssicherheit  mehr geboten ist.

Die Zunahme der schweren Unfälle mit Radfahrern hat hingegen auch einen anderen Grund als vermeintlich viele unaufmerksame Kraftwagenfahrer, welcher sehr logisch ist: der stark gestiegene Radverkehrsanteil. Das immer besser ausgebaute Radwegnetz bietet breite Fahrradstreifen mit guter Oberfläche, sodass schneller gefahren und leichter überholt werden kann, was an sich eine sehr positive Entwicklung ist. Bei 20 km/h beträgt der Anhalteweg des Radfahrers, jedoch selbst bei guter Reaktion bereits rund elf Meter. Kommt es zu einem Abbiegekonflikt wird die Kollision also nicht nur wahrscheinlicher, sondern die Aufprallenergie auch größer. Daher werden bessere Sicherheitsvorkehrungen gefordert als nur ein Rechtsabbiegeassistent im Fahrzeug. Getrennte Ampelphasen sollen Sicherheit schaffen und Unfälle so verhindern.

Ein großes Thema, wenn es leider doch zu einer Kollision kommt, ist die rechtliche Sachlage. Berufskraftfahrer fordern eine deutlich größere gegenseitige Rücksichtnahmen aller Verkehrsteilnehmer und eine beidseitige neutrale Beurteilung nach einem Abbiegeunfall und keine sofortige einseitige Schuldzuweisung.